Amazon FBA – Zu Gast im Fulfillment Center

Amazon ist der größte Onlineversandhändler der Welt. Nach eigenen Angaben setzt Amazon allein auf dem deutschen Markt etwa 17 Milliarden Dollar um. Laut sellics sind in Deutschland mehr als 229 Millionen Produkte in über 35 Hauptkategorien verfügbar. Diese Fülle an Produkten erfordert eine effiziente Logistik. Hierfür bietet Amazon seinen Händlern den Service Fulfillment by Amazon (Amazon FBA) an. 

Das Unternehmen übernimmt dann neben der Lagerhaltung die gesamte Versandabwicklung und Logistik. Damit unter anderem die Standardversandlieferzeiten von 1-2 Werktagen garantiert werden können, arbeiten in Deutschland derzeit über 16.000 Menschen in zwölf der weltweit mehr als 175 sogenannten Fulfillment Centern.

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Amazon Fulfillment Center Leipzig

Amazon Fulfillment Center Leipzig. Foto: F&H

Es ist also nicht überraschend, dass Amazon als größte Produktsuchmaschine für immer mehr Menschen die erste Anlaufstelle geworden ist. Während im Jahr 2004 der typische Amazon-Kunde laut einer Statistik des IFH Köln etwa achtmal bei Amazon bestellte, klickte dieser bereits im Jahr 2017 etwa 40 Mal auf "Jetzt kaufen". So sind am Amazon Prime Day 2017 weltweit innerhalb von 30 Stunden mehr als 32 Millionen Bestellungen eingegangen – das entspricht 296 Bestellungen pro Sekunde.

Was genau nach dem Klick auf den „Jetzt kaufen“ Button passiert kann man sich bei einer FC Tour in einem deutschen Amazon Logistikzentrum ansehen. Aktuell werden Besichtigungstouren in den Amazon FBA Centern in Bad Hersfeld, Rheinberg, Winsen (Luhe) und in Leipzig angeboten. Letzteres hat unser Team von F&H genauer unter die Lupe genommen.

Amazon FBA

Lagerfläche im AFC Leipzig. Foto: Amazon

Das System Amazon FBA

Eindrucksvoll ist in jeden Fall die riesige Lagerhalle, die die Größe mehrerer Fußballfelder misst. Ein erster Blick lässt nach Albert Einstein nämlich vermuten, dass hier ein Genie am Werk sein muss. Denn im sogenannten Pick-Tower liegen Reiseführer neben Nahrungsergänzungsmitteln und Haustierzubehör findet sich neben Kopfhörern.

Hinter dem augenscheinlichen Chaos verbirgt sich bei allerdings ein durchdachtes System - die dynamische (auch chaotische) Lagerhaltung. Diese Logistik macht Raum und Kapazität auf möglichst effiziente Weise nutzbar. Machine Learning bestimmt, in welchem Bereich Produkte so platzsparend wie möglich gelagert und gleichzeitig die Laufwege von einem zum anderen Produkt reduziert werden können.

Während das System den Bereich ermittelt, legt ein Mitarbeiter selbstständig fest, in welchem Regalfach er die Ware platziert. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine ermöglicht so letztlich einen schnellen und effizienten Ablauf.

Amazon FBA Besucher

Das Team von F&H zu Gast im Amazon Fulfillment Center. Foto: F&H

Besonders ressoucensparend geht es am sogenannten Pack-Arbeitsplatz zu. Hier wird die Ware von den Mitarbeitern noch händisch verpackt. Dabei berechnet das System für jede Bestellung die Größe des Pakets und gibt dem Mitarbeiter die passende Länge an Klebeband aus. Durch dieses schnelle Zusammenspiel ist in wenigen Handgriffen das Paket versandfertig und wird abschließend mit einem Barcode versehen. Am Ende des Amazon FBA Prozesses muss das Paket an der Slam-Station (Scan, Label, Apply, Manifest) die finale Prüfung überstehen.

Eindrucksvoll wird in sekundenschnelle der Barcode abgescannt, das Paket abgewogen und mit der Bestellung abgeglichen. Bei jeglichen Unstimmigkeiten wird das Paket aussortiert und muss überprüft und neu bearbeitet werden. Erst wenn die Prüfung positiv verläuft, wird das Paket in Echtzeit mit einem Label versehen. Schließlich wird das Paket von Amazon Logistics oder einem anderen Dienstleister übernommen und versendet.

Amazon FBA - Pick and Pack

Pick-Prozess am Regal. Foto: Amazon

Der Mensch im Mittelpunkt

Die Amazon FBA Prozesse und Abläufe sind effizient organisiert und optimiert. Jeder Handgriff scheint perfekt auf den nächsten abgestimmt. Schnell stellt sich die Frage, wie es sich in einer solch optimierten Umgebung arbeitet, in der Zahlen über die Prozesse bestimmen? Während der etwa einstündigen Führung haben wir nicht nur die wesentlichen Arbeitsprozesse kennengelernt sondern auch einen Einblick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter bekommen. Von Hektik und Stress keine Spur.

Klar ist, dass die Arbeit in einem Amazon FBA Logistikzentrum in jeder Hinsicht körperlich anstrengend ist: Waren müssen angehoben und transportiert werden, beim Picken werden täglich mehrere Kilometer zurückgelegt und die Mitarbeiter stehen beim Packen über längere Zeit an einer Packstation. Da bei Amazon der Mensch im Mittelpunkt steht, fördert das Unternehmen die Mitarbeitergesundheit und eine positive Arbeitsatmosphäre. Ergonomisch ausgerichtete Arbeitsplätze, ein maximales Tragegewicht von 15 Kilogramm, verkürzte Laufwege sowie ein wöchentlicher Obsttag, an welchem den Mitarbeitern kostenloses Obst zur Verfügung gestellt wird, sind nur einige Beispiele. 

Zudem investiert Amazon auch außerhalb der Arbeitszeiten in die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Festangestellte können sich über Aktien und Zusatzleistungen, eine Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die Übernahme von Fortbildungsgebühren freuen. Auch besonderes Engagement wird belohnt. Die sogenannten Swaggies, die interne Amazon-Währung, können die Mitarbeiter unter anderem gegen kleine Belohnungen eintauschen.

Fazit

Amazon selbst bewirbt den Besuch eines Fulfillment Centers als magisch: "Erleben Sie die Magie nach jedem Klick auf den Jetzt kaufen-Button“ 

Und tatsächlich erscheint es wie Magie zwischen Millionen Produkten, kilometerlangen Rollbändern und tausenden Kisten den Überblick zu behalten. Hinter Fulfillment by Amazon (Amazon FBA) steckt eine effiziente Logistik, die einen Besuch auf jeden Fall lohnenswert macht. Man lernt nicht nur die Arbeitsprozesse kennen sondern kann sich mit eignen Augen ein Bild vom Arbeitsalltag der Mitarbeiter machen.

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